Das Gewürzhaus Van den Berg: die Standortgeschichte

Das Gewürzhaus Van den Berg: die Standortgeschichte

Die Lage unseres erlesenen Gewürzhauses hat eine spannende und vielseitige Geschichte, welche wir hier erzählen möchten.


Ein Ort auf der alten Westachse der Stadt Graz

Die Strauchergasse, die ursprünglich Teil des Eggenberger Weges war, zählt zu den ältesten Verbindungsachsen zwischen der mittelalterlichen Stadt Graz und dem später errichteten Schloss Eggenberg. Der traditionelle Weg führte vom westlichen Stadtausgang (Gries-Tor am heutigen Griesplatz/Elisabethinergasse) über Dominikanergasse, Metahofgasse und Strauchergasse zum Weissenegger Burgfried am heutigen Esperantoplatz. Jenseits davon begannen die Eggenberger Ländereien. Von dort aus führte eine schnurgerade Kastanienallee direkt zum Schloss Eggenberg.

(Quelle: arch-urb.at)

Der Name „Strauchergasse” ist bereits seit 1357 belegt und steht exemplarisch für jene Ziel- und Verbindungsstraßen, die das Wachstum der Murvorstadt und ihrer Siedlungen – unter anderem rund um den Weisseneggerhof – förderten. Historisch verlief die Straße bei der Einmündung der Volksgartenstraße in die Annenstraße und führte weiter bis zur unteren Eggenbergermühle.

(Quelle: historischerverein-stmk

Annenstraße, Volksgarten & urbaner Wandel


Als sich im 19. Jahrhundert die Annenstraße zur prunkvollen Verbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt entwickelte, begann auch im Umfeld ein neues Kapitel. Hotels, Cafés, Läden – der urbane Pulsschlag wurde stärker, das Viertel rund um Gries und Lend wuchs in seiner Vielfalt und Lebendigkeit.

Inmitten dieses Wandels liegt die Strauchergasse – damals wie heute ein Spiegel ihrer Umgebung. Hier kreuzten sich Wege, Ideen und Geschichten. Und genau hier, wo einst das Stadtleben pulsierte und Handwerker*innen ihre Werkstätten hatten, fand Van den Berg seinen Platz.

Denn was könnte besser zu unserer Philosophie passen als ein Ort, an dem Wandel Tradition hat? Wo Vielfalt zum Alltag gehört und Geschichte in jedem Pflasterstein steckt? Die Wahl fiel nicht zufällig – sondern aus Überzeugung. Weil Geschmack mehr braucht als nur gute Zutaten: Er braucht ein Zuhause, das inspiriert.

(Quelle: arch-urb.at)

1500–1850: Friedhofsnutzung

Für die Parzelle, auf der heute das Gewürzhaus Van den Berg beheimatet ist, wird zwischen 1500 und ca. 1850 eine Friedhofsnutzung überliefert – zugehörig zum Bürgerspital des Dominikanerklosters an Annenstraße/Dominikanergasse. (Quelle: Überlieferung Karl Gebetsberger)

Ein Schlüsselbaustein des Quartiers war der Volksgarten. 1875 entstand dort ein Kaffeehaus-Pavillon/Kiosk für Erfrischungen. Bereits 1877 wurde die Erfrischungshalle auf das Grundstück Strauchergasse 8 erweitert, an den Brauereibesitzer Max Kober (Göss) verpachtet, mit Gasanschluss, Zubau und Kandelabern. Später kamen Holzfußboden, zwei Eisenöfen (Winterbetrieb) sowie eine nördliche Veranda für Musiknutzung dazu – ein frühes Beispiel für Freizeit- und Gastrokultur direkt an der Strauchergasse 8.

(Quelle: grazwiki.at

1900–1945: Hotel „Jägerhorn“ & Kegelbahn

Um 1900 entstand laut Überlieferung das dreigeschossige Hotel „Jägerhorn“ mit Zimmern, Wirtsstube, Eiskeller und Tanzsaal; im Hof (Richtung Volksgarten) wurde eine Kegelbahn (Strauchergasse 2–4) betrieben. Bis 1945 lief der Hotelbetrieb – inklusive Fremden- und Stundenzimmern. Luftangriffe im Februar 1945 zerstörten den straßenseitigen Teil, der Hoftrakt mit Zimmern/Tanzsaal wurde stark beschädigt. (Quelle: Überlieferung Karl Gebetsberger)

1945–1948: Provisorischer Wiederaufbau & Handwerk

Nach Kriegsende wurde das Gebäude provisorisch instandgesetzt, zwei Wohnungen im 1. Stock eingerichtet; der Tanzsaal diente Korbflechtern und Schustern als Arbeitsraum. Auf der Suche nach großen, trockenen Räumen mietete Tischlermeister Karl Gebetsberger den Saal 1948.

(Quelle: Überlieferung Karl Gebetsberger)

1948–2021: Die Tischlerei Gebetsberger prägt den Standort

Ab 1948 übersiedelte Gebetsberger seine Tischlerei in die Strauchergasse 8. Er adaptierte den Tanzsaal, den Eiskeller und die Kegelbahn schrittweise zur Werkstätte. 1951 erwarb er die ca. 1.000 m² große Liegenschaft. Im Jahr 1952 folgten Zubauten (Keller, Maschinenraum im Erdgeschoss und im ersten Stock) sowie vier Mietwohnungen. Ein großvolumiger Neubau eines Wohnhauses in der Strauchergasse 6 mit elf Stockwerken wurde 1963 genehmigt und bis 1967 fertiggestellt; dafür musste die frühere Kegelbahn weichen. 1972 vergrößerte eine zweigeschossige Garage im nördlichen Hof die Tischlerei nochmals.


Zwischen 1972 und 2021 blieb die Struktur weitgehend unverändert. Mit der Pensionierung seines Vaters Karl Gebetsberger führte Heinz Gebetsberger den Betrieb reduziert weiter. Als Tischlermeister und diplomierter Einrichtungsberater fokussierte er sich aber zusehends auf einen ganzheitlichen Ansatz im Sinne eines Einrichtungsstudios: ganze Lebensräume zu planen und zu konzipieren. Der Schauraum “Gebetsberger Wohnart” befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Gewürzhaus in der Strauchergasse 4. 

(Quelle: Überlieferung Karl Gebetsberger, gebetsberger.cc/)

2022–heute: Handwerk & Genuss im Lend-Hotspot

Am 04./05. November 2022 feierlich eröffnet, markiert das heutige Gewürzhaus einen neuen Meilenstein in der Van den Berg Geschichte. Mitten im pulsierenden Lendviertel, in einer ehemaligen Tischlerei, wurde nicht nur ein Raum bezogen, sondern eine Vision verwirklicht: ein Ort, der Handwerkskunst, Ästhetik und Geschmack vereint.

Warum gerade dieser Ort? Weil er zu uns spricht. Rau, ehrlich, voller Geschichte – genau wie unsere Gewürze. Die alte Tischlerei war einst Werkstatt, heute ist sie Bühne. Bühne für Geschmack, Begegnung und Kreativität. Hier trifft industrieller Charme auf moderne Eleganz, Patina auf polierten Purismus – ein Wechselspiel, das unsere Philosophie perfekt widerspiegelt: das Ursprüngliche veredeln, das Gute bewahren und mit neuer Würze beleben.

„Es ging uns nicht nur um Architektur, sondern um Atmosphäre. Die Räume sollten nicht bloß renoviert, sondern neu gedacht werden. Van den Berg hat uns eingeladen, ein Zuhause für Genuss zu schaffen – mit viel Luft zum Atmen, Platz für Ideen und einer klaren, sinnlichen Linie“, beschreibt Architekt Marc Jennewein von LOVE architecture and urbanism den Umbauprozess.

Das Ergebnis ist mehr als ein Store. Es ist ein Treffpunkt für Genussmenschen, eine Bühne für Workshops, Tastings und Events – und ein duftendes Versprechen: Hier beginnt jede Reise mit einem Hauch von Muskat und endet in einem Feuerwerk aus Geschmack.

Auf drei Ebenen wird der Geschmack seitdem zur Bühne: Im Shop, auf der Bel Etage mit Showküche & Bar und im Gewölbekeller wird „Handwerk & Genuss“ im Herzen des Kulinarik-Hotspots Lend erlebbar. Das Programm aus Workshops & Masterclasses öffnet die Welt der Gewürze und Aromen – praxisnah, inspirierend, vielfältig.

Außerdem lässt sich Gewürzhaus als einzigartige Eventlocation für Firmen- und Privatveranstaltungen mieten.

Von Fabian Held